Wer war GREEN COSMOS?

Wir gründeten Green Cosmos Ende der 1970er-Jahre im ostwestfälischen Marsberg, weit entfernt von den großen Jazzzentren Europas. Gerade diese Abgeschiedenheit wurde zu unserem Vorteil. Ohne Szene, ohne Clubs und mit nur wenigen Schallplatten entwickelten wir unseren eigenen Zugang zur Musik. Wir hörten gemeinsam Aufnahmen, analysierten sie und versuchten, daraus etwas Eigenes zu schaffen.

Die Musik des klassischen John-Coltrane-Quartetts war unsere wichtigste Inspiration. Seine modale Spielweise und die spirituelle Intensität eröffneten uns neue Freiheiten. Ausdruck wurde für uns wichtiger als technische Perfektion. Unser erstes Album Abendmusiken (veröffentlicht 1983 bei AMF records) war noch stark von balladenhaften Jazzkompositionen geprägt. Doch schon bald wollten wir weitergehen.

Mit den Aufnahmen zu Morgenmusiken (veröffentlicht 2026) veränderten wir unseren Ansatz grundlegend. Wir begannen, ohne feste Stücke zu spielen und entwickelten das Konzept der „Live-Kompositionen“. Einer von uns begann, die anderen reagierten intuitiv. Jedes Stück entstand nur ein einziges Mal. Vor den Aufnahmen meditierten wir oft, um frei und konzentriert spielen zu können. Die Musik wuchs aus ruhigen Passagen, steigerte sich langsam und blieb dennoch warm und zugänglich.

Die Zwillingsbrüder in unserer Rhythmussektion spielten fast wie eine einzige Person. Ihr telepathisches Zusammenspiel gab der Musik eine besondere Energie. Einflüsse von Miles Davis, Weltmusik und dem ECM-Sound erweiterten unseren Horizont.

„Green“ stand für den Klang der Natur, „Cosmos“ für Inspiration aus einer anderen Welt. Unser Ziel war es, eine kosmische Musik zu erschaffen, die Jazz, Meditation und Improvisation verbindet.

Die späte Veröffentlichung der verschollenen „Morgenmusiken“-Aufnahmen schließt gewissermaßen den Kreis unserer gemeinsamen Arbeit. Sie dokumentiert eine Phase, in der Green Cosmos ihre Vision am klarsten formulierten: Musik als Reise, als Meditation – und als kosmisches Erlebnis jenseits fester Formen.

Die Band bestand aus: Mike Boxberger, Sax, Benny Düring, piano; Alfred Franke Drums/Percussion/Kalimba, Ulrich Franke, bass

Abendmusiken reissue 2025 bei fredriksberg records Morgenmusiken 2026 bei fredriksberg records

https://www.youtube.com/watch?v=boM2u_DpPTg&list=OLAK5uy_mgevo4j66CFdtZJC9U-ly7UQSfUNHyjFY

 

 


 

 


zattirizat music (Türkei), without genre:

Albuemue Yayinda 2

 


Drei Sterne im Downbeat (Ausgabe März 2025)

Screenshot Downbeat

Erwin Grosche 1983 in “das Heft” (erfrischt 2018)

Das Heft Nr 1 1024x576

Erwin Grosche in „DAS HEFT“ zur LP „Abendmusiken“

Manche Melodien erinnern uns an das Atem holen. Sie erreichen uns mit einer Notwendigkeit, als würde dadurch das Herz schlagen und als käme deshalb der Mond hinter dunklen Wolken hervor. Die Musik von Green Cosmos erinnert uns daran, dass unsere immerwährende Sehnsucht nach Liebe auch Erfüllung finden kann. Man atmet durch und spürt den allwissenden Zauber. Manchmal steht man in seinem Zimmer und schaut hinauf zu den erleuchteten Fenstern des Nachbarhauses. Steht da jemand, der uns von dort aus betrachtet? Lauschen wir den Abendmusiken und stellen uns vor, wie das Leben sein könnte, wenn wir wieder versöhnt würden mit den Einfällen Gottes. Green Cosmos verzaubert mit ihrer Mischung aus Jazz, Herztönen, Aufschreien, Volksmusikklängen (Aus welchem Land? In welcher Sprache? Ich weiß es nicht. Es scheint aller Sprache zu sein, aller Länder Atem…). Da ist kein Ton zu viel und alles kommt auf den Punkt. Ein Saxophon, das seinen Weg weiß, stellt sich auf einer Klangkarte vor den treibenden Rhythmus von Kalimba und Schlagwerk, verbrüdert sich mit dem manchmal trotzigen, manchmal verschämten Bass und lauscht einem tröstenden allwissenden Piano, bis die Musik zu einem Ganzen verschmilzt und uns durch die Nacht begleitet. Man spürt, dass die Musiker sich blindlings hineinwerfen in ihre Geschichten voller Anmut und Lebensfreude. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass diese Gruppe etwas Neues erschaffen hat, das unwiederholbar in diesen Aufnahmen festgehalten wurde. Das ist einfach sehr schöne und aufregende Musik, die uns durch den Abend leitet. Und wenn sie an diesem Fenster stehen und sehen jemanden, der auch an einem Fenster steht und zu ihnen schaut, dann winken sie. Winken sie ihm zu im Takt dieser Musik. Nun kann man Halt spüren, verwundert stehenbleiben und Atem holen”.

Erwin Grosche 1983 in “das Heft” (erfrischt 2018)


Michael Engelbrecht in „flowworker.org“

Screenshot Engelbrecht

Doppio Jazz (Italien):

Screenshot Dopio Jazz 1

 

Übersetzung aus dem Italienischen:

Green Cosmos – Abendmusiken (1983 Wiederveröffentlichung 2025)

Dies ist die erste Wiederveröffentlichung seit 40 Jahren des einzigen Albums der deutschen Jazzgruppe Green Cosmos. Wir befinden uns im Jahr 1983, und Green Cosmos verzaubern uns mit ihrer Mischung aus Jazz, pulsierenden Rhythmen, emotionalen Ausbrüchen und Folkmusik – ein nächtlicher Jazz-Sound. Die Musiker haben eindeutig das Beste des amerikanischen Jazz in sich aufgenommen; in den Liner Notes sagt der Saxofonist Michael Boxberger (der Sopran- und Tenorsaxofon spielt), ihre Inspiration sei die Musik des John Coltrane Quartet gewesen, und auf einem Foto sieht man im Hintergrund des Raumes ein Poster von Pharoah Sanders. All das ist in ihrer Musik hörbar, ohne dass sie jemals wie eine bloße Nachahmung klingt.

Es ist frische und aufregende Musik; manchmal scheint sie ins Free Jazz überzugehen, doch diesen Schritt vollzieht sie nie, auch wenn der Geist des Experimentierens über den spirituelleren Stücken des Albums schwebt. Boxberger und der Pianist Benny Düring sind Kindergartenfreunde, wuchsen in der kleinen Stadt Marsberg auf und wurden mit der Zeit Fans des „Swing Jazz“.

Das Quartett entstand 1975, als sie die Zwillinge Alfred und Uli Franke kennenlernten, die Rockmusik liebten und Schlagzeug bzw. Bass spielten. Anfangs nannte sich die Gruppe Jazz Drive, und Boxberger beschreibt ihren Stil als „elektrische Fusionmusik“. Später entdeckten die Zwillinge die Meditation und das Album Karuna Supreme von John Handy und Ali Akbar Khan, was sie dazu brachte, mit indischen Instrumenten wie Kalimba, Tabla und Sitar zu experimentieren – Instrumente, die sich auch auf diesem Album wiederfinden.

1981 wurden aus Jazz Drive Green Cosmos, und im folgenden Jahr nahmen sie die Stücke, die Abendmusiken bilden sollten, in der Kunstgalerie eines Freundes auf. Die Gruppe löste sich nach diesem 1983 auf dem kleinen, inzwischen nicht mehr existierenden deutschen Label AMF Records veröffentlichten Album auf, das im Laufe des Jahrzehnts weniger als ein Dutzend Platten herausbrachte. 1989 kamen sie noch einmal zusammen und spielten ein letztes Mal; Boxberger und Düring haben seither nie wieder von den Franke-Zwillingen gehört.

Eine interessante und notwendige Wiederveröffentlichung eines sehr seltenen und teuren Albums einer den meisten unbekannten Band – und ihrer wirklich hervorragenden Musik. Die Zwillinge überzeugen in der Rhythmussektion; die Stücke mit Kalimba sind meine Favoriten. Boxbergers oft schmeichelndes Saxofon hat einen hellen und vollen Klang, und Dürings Klavier ist flexibel und prägnant und erinnert bisweilen ein wenig an Bill Evans im Miles-Davis-Quintett. Es ist ein wunderbares Album, das zwei gegensätzliche Pole berührt – spirituellen Jazz und coolen Nachtjazz – und dies auf sehr gelungene Weise.

 


 

Screenshot My Favourite Albums 20225 1024x602

Green Cosmos
Abendmusiken
1/24, Frederiksberg Records

In my ambitious, short-lived attempt at weekly posts earlier this year, one of the first was about the reissue of this lovely, mysterious German jazz record from 1983, released by a group composed of saxophonist Michael Boxberger, pianist Benny Düring, and twin rock-music-loving rhythm section Alfred and Uli Franke. You can read more if you like, but here’s the most descriptive bit:

“The twins clearly had some sort of psychic connection as the rhythm section; the songs with kalimba are my favorites. Boxberger’s tone is bright and full with the slightest of edges, and Düring’s piano is pliant yet sharp, just a bit reminiscent of Bill Evans in the Miles Davis Quintet. It’s a wonderful album of two modes and it does both well: spiritual jazz and ice-clinking-in-glass jazz.”

This is also an excuse to sneak in a bonus recommendation: a second Green Cosmos album called Morgenmusiken, subtitled “A Cosmic Jazz Journey Unearthed,” and described as revealing their evolution “toward freer, more meditative soundscapes.”

Screenshot Ana Gavrilovskaya 1024x603

I’ve been spending time in ‘80s Berlin vis-à-vis literature and film recently (Kairos by Jenny Erpenbeck and The Lives of Others respectively, both of which I recommend) so it is entirely apropos that this week’s recommendation comes from Germany during the same time period. These guys clearly absorbed the best of American midcentury jazz; in the liner notes, saxophonist Michael Boxberger (who plays soprano and tenor) says that their shared inspiration was the music of the John Coltrane Quartet, and you can see who I believe to be Pharoah Sanders on a poster in the background of the band photo. It shows in their music, but it doesn’t ever sound like a cheap imitation. It’s a fresh and exciting expression, humming with an aura of its own. You think the music might careen into free jazz but it never quite goes there, though the spirit of experimentalism hovers at the perimeter of the album’s most spiritual songs.

https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=2466478312/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=333333/artwork=small/transparent=true

This tracks with what Boxberger writes of their sonic trajectory. He and pianist Benny Düring are old friends from kindergarten, growing up in the small town of Marsberg (about 270 miles west of Berlin) and eventually becoming fans of “swing jazz” (his wording). The band came together in 1975 after they met Alfred and Uli Franke, twin brothers who loved rock music and played the drums and bass respectively. (Alfred also plays kalimba on this record.) The quartet was originally called Jazz Drive and Boxberger describes their style as “electric fusion music.” In 1978 they pursued free jazz, fun for them but confusing to their audience. The twins discovered meditation and the John Handy and Ali Akbar Khan album Karuna Supreme, which led them to experiment with Indian instruments like the kalimba, tabla, and sitar. Jazz Drive became Green Cosmos in 1981 and the following year, they recorded the songs that would comprise Abendmusiken in a friend’s art gallery. They released the album in 1983 on the tiny, now-defunct German label AMF Records, which put out less than a dozen records throughout the decade, all of which look intriguing and seem mostly very unavailable. A few shows were played after the album was released, but the band never managed to go on tour and the members drifted away into other careers. They came together and played for the last time in 1989; Boxberger and Düring never heard from the Franke twins ever again. So mysterious!

Https%3A%2F%2Fsubstack Post Media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fcda326f0 606a 40c1 B8d9 29068c7c0021 850x662

It is exceedingly rare in 2025 to come across a record that you have to buy in order to learn absolutely anything about the music (except I guess I just broke the magic by writing this) but certainly that’s one reason I was so drawn to it. The other reason, of course, is that the music is just fucking good. The twins clearly had some sort of psychic connection as the rhythm section; the songs with kalimba are my favorites. Boxberger’s tone is bright and full with the slightest of edges, and Düring’s piano is pliant yet sharp, just a bit reminiscent of Bill Evans in the Miles Davis Quintet. It’s a wonderful album of two modes and it does both well: spiritual jazz and ice-clinking-in-glass jazz.

Abendmusiken (which translates to Evening Music) is being reissued for the first time by Frederiksberg Records, a cool label (founded in New York by Danish video journalist Andreas Vingaard) which specializes in reissues of rare titles and unreleased niche material. (The label’s most important reissue is probably the Danish saxophonist Carsten Meinert’s gorgeous Coltrane homage To You, originally released in 1968, with several additional songs included on this version.) Well worth digging through the 30+ releases available on Bandcamp, you’ll find plenty of gems. (I recently enjoyed A Sunny Day by Kris & Jerry, a husband-and-wife duo from the tiny town of Enfield, Illinois1. They recorded this one album in 1966 and its blend of folk rock, country, and lounge is, for my money, as good as anything you’ll find in the Numero Group discography.)

Favorite songs: “Über dem Berg,” “Nach dem Sandsturm,” “Kalimba Suite,” “Fools of Paradise”2

 


Screenshot Ohrenschamaus 1024x487

Vorhin auf dem Ergometer habe ich zur Abwechslung mal Jazz gehört. Es ging recht leise los, also habe ich den Bluetooth-Lautsprecher übers Handy lauter gestellt. Irgendwann – mein Ergometer-Programm steigert die Leistung um 25 Watt alle 2 Minuten bis zum Maximalwert, heute 270 Watt, der dann 15 Minuten gehalten werden muss, bevor es dann 6 Minuten wieder sukzessive runter geht mit der Leistung – habe ich das Handy auf den Teppich geworfen, weil der Tretwiderstand so stark geworden ist, dass er mir alles abverlangt hat, dass ich in meine konstante Trittfrequenz kommen musste, weil ich das 27 Minutenprogramm ansonsten nicht durchstehe. Na ja auf jeden Fall fiel mir dann, nachdem das Handy unerreichbar auf dem Boden lag, plötzlich auf, dass die Musik evtl. etwas zu laut war für die Nachbarn. Vor allem das Saxophon hörte sich so an, als würde es mir jemand in 1 Meter Abstand ins Ohr blasen. Am Ende hat sich niemand beschwert und ich habe mein Programm erfolgreich durchgezogen, es war also alles paletti.

Achso, was ich vergessen habe, das erste Stück auf dem Album, das den Titel Über dem Berg trägt, fängt mit einem repetitiven Kalimbapart an, ein bisschen wie bei Steve Reich’s Drumming, meinem Lieblingsalbum von 1974. Wo sich die Drumpatterns ganz langsam verschieben, so dass man es kaum merkt. Minimal Music, die Erste. Zurück zu Green Cosmos, einer deutschen Band, deren einziges Album Abendmusiken aus dem Jahr 1983 geblieben ist. Ich frage mich gerade, ob man die Platte unter Spiritual Jazz subsumieren könnte. Ich glaube ja, auch oder gerade weil sie in vielen Stücken diese lässige Late Night Atmosphäre ausstrahlt. Ja, es stimmt, der Pianist spielt so locker wie Bill Evans, die Töne perlen z. B. bei Concentration nur so aus dem Klavier. Der Saxofonist hat seinen John Coltrane und seinen Pharoah Sanders inhaliert, wobei er seine eigene Intonation hat, nicht so wild und expressiv wie Pharoah spielt, aber mindestens genauso spirituell. In Vollmondscheinsonate hat er diesen zärtlichen Nebelton, einfach umwerfend. Der Bassist thront über dem Ganzen wie Kronos in der griechischen Mythologie, der Bass – besonders schön blubbernd auf Kalimba Suite, Part 1 – hält den Laden zusammen. Meine Lieblingsstücke sind Lovely Suite und der Closer Opus X. Beide sehr lyrisch und wundervoll melodisch. Aber auch sonst ist dies ein von Grund auf entspanntes Album, das gleichzeitig vor Spielfreude sprüht, an dem man seine Freude haben muss. Jazz at the top of its game. Mit einer großen Bandbreite, ohne Berührungsängste mit verschiedensten Stilen. Mehr kann man von Jazz nicht verlangen.

Ein Dankeschön an Michael Engelbrecht, ohne den ich dieses Album niemals entdeckt hätte.


DOM SPEZIAL „KLANGVOLL“ Ausgabe 09/2025 von K.M. Flüter

Screenshot Der Dom Spezial